KI-Lösungen für Unternehmen: Welche Wege es gibt
Nick van der Falk · KI-Experte für den Mittelstand
8 Min. Lesezeit · Aktualisiert Juni 2026

Ein Elektrobetrieb mit 22 Mitarbeitern hat drei verschiedene Programme im Einsatz: eines für die Auftragsverwaltung, eines für die Buchhaltung, eines für die Zeiterfassung. Der Chef hat von künstlicher Intelligenz gehört, weiß aber nicht, wo er anfangen soll.
Genau diese Unsicherheit ist normal. Wer zum ersten Mal über künstliche Intelligenz im eigenen Betrieb nachdenkt, findet drei grundsätzlich verschiedene Wege dorthin. Jeder Weg hat eigene Vor- und Nachteile, keiner ist automatisch der beste.
In diesem Artikel stellen wir alle drei Wege vor, mit echten Beispielen, damit Sie einschätzen können, welcher zu Ihrem Betrieb passt.
Welche drei Wege führen zu künstlicher Intelligenz im Unternehmen?
Der erste Weg ist die Nutzung fertiger Werkzeuge, etwa für Texte oder Übersetzungen. Der zweite Weg ist, KI-Funktionen zu aktivieren, die in Ihrer bestehenden Software bereits eingebaut sind. Der dritte Weg ist, einen eigenen KI-Mitarbeiter für einen bestimmten Ablauf bauen zu lassen.
Alle drei Wege haben ihre Berechtigung. Viele Betriebe kombinieren sie sogar, indem sie an einer Stelle ein fertiges Werkzeug nutzen und an anderer Stelle eine eigene Entwicklung einsetzen.
Weg 1: Fertige Werkzeuge nutzen
Fertige Werkzeuge sind Programme, die Sie sofort nutzen können, etwa für Textentwürfe, Übersetzungen oder einfache Auswertungen. Der Einstieg ist schnell, oft reicht ein Nutzerkonto.
Der Nachteil: Diese Werkzeuge kennen Ihren Betrieb nicht. Sie arbeiten mit den Daten, die ein Mitarbeiter von Hand eingibt, und sind nicht mit Ihrer Auftragsverwaltung oder Ihrem Warenwirtschaftssystem verbunden.
- Vorteil: sofort einsatzbereit, keine Entwicklungszeit nötig.
- Vorteil: geringe Einstiegshürde für einzelne Mitarbeiter.
- Nachteil: keine Verbindung zu Ihrer Auftrags- oder Kundendatenbank.
- Nachteil: jeder Anwendungsfall muss manuell angestoßen werden.
Weg 2: Funktionen der vorhandenen Software aktivieren
Viele Buchhaltungs-, CRM- oder Warenwirtschaftsprogramme, also Programme zur Verwaltung von Kunden oder Lagerbeständen, bringen inzwischen eigene KI-Funktionen mit. Diese lassen sich oft mit wenigen Klicks aktivieren.
Der Vorteil: Die Funktion ist bereits mit Ihren Daten verbunden, weil sie Teil der Software ist, die Sie ohnehin nutzen. Der Nachteil: Sie können nur das nutzen, was der Anbieter eingebaut hat. Eigene Wünsche lassen sich selten umsetzen.
- Vorteil: direkt mit Ihren bestehenden Daten verbunden.
- Vorteil: meist ohne zusätzliche Entwicklungskosten enthalten.
- Nachteil: begrenzt auf das, was der Softwareanbieter vorgesehen hat.
- Nachteil: passt selten exakt auf einen speziellen Ablauf Ihres Betriebs.
Weg 3: Einen eigenen KI-Mitarbeiter bauen lassen
Ein eigens gebauter KI-Mitarbeiter ist ein Programm, das genau auf einen Ablauf in Ihrem Betrieb zugeschnitten ist, zum Beispiel die Angebotserstellung im Elektrobetrieb. Er verbindet mehrere Ihrer bestehenden Programme miteinander.
Dieser Weg kostet mehr Zeit und Geld als die beiden anderen. In unseren Projekten liegen die einmaligen Kosten typisch zwischen 6.000 und 25.000 Euro, der laufende Betrieb typisch zwischen 200 und 900 Euro im Monat. Dafür passt das Ergebnis genau auf Ihren Ablauf, nicht auf einen durchschnittlichen Betrieb.
- Vorteil: passt exakt auf Ihren Ablauf und Ihre bestehende Software.
- Vorteil: verbindet mehrere Programme, die sonst getrennt laufen.
- Nachteil: höhere Anfangskosten und mehrere Wochen Entwicklungszeit.
- Nachteil: lohnt sich nur bei Abläufen mit ausreichend hohem Zeitaufwand.
Ein durchgerechnetes Beispiel: Welcher Weg passt zum Elektrobetrieb?
Der Elektrobetrieb mit 22 Mitarbeitern erhält täglich rund 10 Anfragen, die eine Mitarbeiterin per Hand in drei verschiedene Programme einträgt. Das kostet sie 25 Minuten pro Anfrage, insgesamt gut 4 Stunden am Tag, also 88 Stunden im Monat. Bei 40 Euro Stundensatz sind das 3.520 Euro im Monat.
Ein fertiges Werkzeug würde nur eine Teilaufgabe übernehmen, etwa das Formulieren der Antwort, spart also nur wenige Minuten pro Anfrage. Die vorhandene Auftragssoftware hat keine passende Funktion eingebaut. Ein eigens gebauter KI-Mitarbeiter kann dagegen alle drei Programme verbinden und die Zeit pro Anfrage auf 5 Minuten senken.
Das ergibt eine Ersparnis von rund 2.640 Euro im Monat. Bei einmaligen Kosten von angenommen 15.000 Euro amortisiert sich die Investition nach etwa 6 Monaten. Bei diesem Aufwand lohnt sich der dritte Weg.
Schritt für Schritt zum passenden Weg
Um den richtigen Weg zu finden, hilft eine einfache Prüfreihenfolge.
- Schritt 1: Prüfen Sie, ob Ihre vorhandene Software bereits eine passende KI-Funktion eingebaut hat.
- Schritt 2: Prüfen Sie, ob ein fertiges Werkzeug die Aufgabe schon ausreichend löst.
- Schritt 3: Rechnen Sie den Zeitaufwand des Ablaufs durch, wenn beide Optionen nicht ausreichen.
- Schritt 4: Lassen Sie bei ausreichendem Zeitaufwand einen eigenen KI-Mitarbeiter für genau diesen Ablauf entwickeln.
Wann lohnt sich keiner der drei Wege?
Wenn ein Ablauf sehr selten vorkommt oder stark von persönlicher Erfahrung abhängt, bringt keiner der drei Wege einen echten Vorteil. Manche Entscheidungen sollten weiterhin ganz beim Menschen bleiben.
Auch wenn Ihre Daten noch überwiegend auf Papier liegen, sollten Sie zuerst die Grundlagen digitalisieren. Ohne digitale Daten kann keiner der drei Wege funktionieren.
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen
- Prüfen Sie zuerst, ob ein fertiges Werkzeug oder eine Funktion Ihrer vorhandenen Software die Aufgabe schon löst, bevor Sie über eine eigene Entwicklung nachdenken.
- Rechnen Sie bei jedem der drei Wege durch, wie viel Zeit tatsächlich eingespart wird, denn nur so wird der Vergleich ehrlich.
- Wenn keiner der ersten beiden Wege passt, notieren Sie den Ablauf genau und lassen Sie ihn in einem kurzen Gespräch prüfen.
Häufige Fragen
Welche Wege gibt es, um künstliche Intelligenz im Unternehmen zu nutzen?
Was ist der schnellste Weg zum Einstieg?
Wann lohnt sich ein eigens gebauter KI-Mitarbeiter?
Kann ich mehrere Wege gleichzeitig nutzen?
Wie finde ich heraus, ob meine Software schon KI-Funktionen hat?
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Nick van der Falk
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