Braucht mein Unternehmen einen KI-Manager?
Nick van der Falk · KI-Experte für den Mittelstand
7 Min. Lesezeit · Aktualisiert August 2026

In einem Maschinenbaubetrieb mit 90 Mitarbeitern laufen gleichzeitig drei kleine KI-Projekte: eine automatische Angebotserstellung, ein System für die Wartungsplanung und ein Werkzeug für die Buchhaltung. Jedes Projekt hat einen anderen Ansprechpartner, keiner hat den vollen Überblick. Als eine Schnittstelle ausfällt, dauert es zwei Tage, bis klar ist, wer zuständig ist.
Solche Situationen bringen Geschäftsführer auf die Idee, eine eigene Person für Künstliche Intelligenz einzusetzen, oft KI-Manager oder KI-Beauftragter genannt. Die Frage ist berechtigt, aber die Antwort hängt stark von der Betriebsgröße und der Zahl der laufenden Projekte ab.
Dieser Beitrag erklärt, was ein KI-Manager tatsächlich tut, wann sich die Rolle lohnt und welche Alternativen es für kleinere Betriebe gibt.
Was macht ein KI-Manager im Betrieb genau?
Ein KI-Manager oder KI-Verantwortlicher behält den Überblick über alle KI-Werkzeuge im Unternehmen. Er sammelt Ideen aus den Abteilungen, prüft, welche davon sich lohnen, und koordiniert die Umsetzung mit internen Mitarbeitern oder externen Dienstleistern.
Zur Aufgabe gehört auch, Risiken im Blick zu behalten: Datenschutz, die Anforderungen der EU-KI-Verordnung und die Frage, welche Daten überhaupt in ein KI-System eingegeben werden dürfen. Der KI-Manager ist außerdem Ansprechpartner für Mitarbeiter, die Fragen oder Bedenken zu einem System haben.
In vielen Betrieben ist diese Rolle keine eigene Vollzeitstelle, sondern eine zusätzliche Verantwortung, die eine bestehende Führungskraft übernimmt, etwa aus der IT oder der Organisation.
Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich eine eigene Stelle?
Eine eigene, vollzeitige Stelle für einen KI-Manager lohnt sich in unseren Projekten typisch erst ab etwa 80 bis 100 Mitarbeitern oder wenn mehrere KI-Projekte gleichzeitig laufen. Unterhalb dieser Größe reicht der Koordinationsaufwand meist nicht aus, um eine ganze Stelle zu füllen.
Entscheidender als die reine Mitarbeiterzahl ist die Anzahl der KI-Projekte und wie stark sie sich über Abteilungen verteilen. Ein Betrieb mit 50 Mitarbeitern, der fünf verschiedene KI-Werkzeuge in Vertrieb, Buchhaltung und Produktion einsetzt, braucht eher eine koordinierende Person als ein Betrieb mit 120 Mitarbeitern und nur einem einzigen System.
Interne Person weiterbilden, neu einstellen oder extern begleiten lassen?
Für die meisten Mittelständler ist es sinnvoller, eine bestehende, vertrauenswürdige Person weiterzubilden, als jemanden neu einzustellen. Diese Person kennt bereits die Abläufe im Betrieb und muss sich nur noch in das Thema KI einarbeiten.
Eine Neueinstellung lohnt sich vor allem, wenn intern niemand die nötige Zeit oder das technische Grundverständnis mitbringt. Das ist eine echte Vollzeitstelle mit entsprechendem Gehalt und sollte gut überlegt sein.
Für kleinere Betriebe ist häufig ein externer Partner der praktikabelste Weg. Ein spezialisierter Dienstleister übernimmt die Rolle projektbezogen, ohne dass eine dauerhafte Stelle geschaffen werden muss. Das lässt sich später jederzeit anpassen, wenn der Bedarf wächst.
Was taugen Weiterbildungen zum KI-Manager wirklich?
Es gibt inzwischen zahlreiche Weiterbildungen, die den Titel KI-Manager vergeben, von eintägigen Seminaren bis zu mehrmonatigen Zertifikatslehrgängen. Viele davon vermitteln solide Grundlagen zu Werkzeugen, Datenschutz und Projektorganisation.
Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die nach zwei Tagen einen umfassenden Expertenstatus versprechen. Künstliche Intelligenz ist ein breites Feld, eine kurze Schulung kann Orientierung geben, aber keine tiefe Fachkenntnis ersetzen. Prüfen Sie vor der Buchung, ob konkrete Inhalte statt allgemeiner Werbeversprechen genannt werden.
Wie führt man die Rolle Schritt für Schritt im Betrieb ein?
Auch ohne neue Stelle lässt sich die Verantwortung klar organisieren.
- Schritt 1: Alle laufenden und geplanten KI-Projekte im Betrieb auflisten.
- Schritt 2: Eine Person benennen, die als erste Ansprechperson für alle KI-Fragen gilt.
- Schritt 3: Diese Person mit einer passenden Weiterbildung oder einem externen Partner unterstützen.
- Schritt 4: Feste Zeiten für Koordinationstermine einplanen, etwa eine Stunde alle zwei Wochen.
- Schritt 5: Nach 6 Monaten prüfen, ob der Aufwand eine größere Rolle oder sogar eine eigene Stelle rechtfertigt.
Ein Rechenbeispiel: Interne Weiterbildung statt neuer Stelle
In einem Maschinenbaubetrieb mit 90 Mitarbeitern übernimmt der Leiter der Organisationsabteilung die Rolle zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben. Er investiert dafür 5 Stunden pro Woche, bei einem Stundensatz von 50 Euro sind das 250 Euro pro Woche, im Monat rund 1.075 Euro.
Eine passende Weiterbildung kostet einmalig angenommen 1.800 Euro. Im ersten Jahr entstehen damit Gesamtkosten von rund 14.700 Euro. Eine neue Vollzeitstelle für einen KI-Manager würde je nach Region und Erfahrung mit 55.000 bis 75.000 Euro Jahresgehalt deutlich mehr kosten.
Für diesen Betrieb reicht die interne Lösung aktuell aus. Erst wenn die drei laufenden Projekte auf sechs oder mehr anwachsen, sollte über eine eigene Stelle nachgedacht werden.
Wann lohnt sich eine eigene Rolle NICHT?
Bei einem einzigen, klar abgegrenzten KI-Projekt lohnt sich weder eine neue Stelle noch eine aufwendige Weiterbildung. Hier reicht es, wenn der Projektverantwortliche die Einführung begleitet und danach zum Tagesgeschäft zurückkehrt.
Auch in sehr kleinen Betrieben unter 20 Mitarbeitern ist eine eigene KI-Rolle selten sinnvoll. Der Koordinationsaufwand ist überschaubar und lässt sich meist nebenbei durch die Geschäftsführung selbst oder einen externen Partner abdecken.
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen
- Ein KI-Manager koordiniert Projekte, Risiken und Ansprechpartner, ersetzt aber keine sorgfältige Auswahl der einzelnen KI-Werkzeuge.
- Die Betriebsgröße allein entscheidet nicht über den Bedarf, ausschlaggebend ist die Zahl der gleichzeitig laufenden KI-Projekte im Haus.
- Prüfen Sie zuerst, ob eine bestehende Person mit einer gezielten Weiterbildung die Rolle nebenamtlich übernehmen kann, bevor Sie eine neue Stelle schaffen.
Häufige Fragen
Was macht ein KI-Manager im Unternehmen?
Ab wie vielen Mitarbeitern braucht man einen eigenen KI-Manager?
Sollte ich einen KI-Manager neu einstellen oder intern weiterbilden?
Sind Weiterbildungen zum KI-Manager empfehlenswert?
Kann ein externer Dienstleister die Rolle des KI-Managers übernehmen?
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Nick van der Falk
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